Kastrationen



 

Jahrelange Erfahrungen  unserer Tierschutz Arbeit haben uns gezeigt dass wir vor Ort durch Kastrationsprogramme mehr Leid verhindern und vielen Tieren ein halbwegs besseres Leben ermöglichen können.

Mit dauerhafte Kastrationen ebnen wir den einzigen Weg um ein weiteres Ansteigen der Population der Straßen Hunde in Griechenland zu verhindern. 

Schon eine nicht kastrierte Hündin kann mit einem einzigen Wurf bis zu 10 weiteren Straßen Hunden neues Elend schaffen. Gemessen daran, dass eine Hündin inzwischen bis zu 2mal im Jahr läufig werden kann, verdoppelt sich die Zahl der Welpen und damit die Population um ein vielfaches. 

Damit sind Krankheiten, Inzucht, Hunger und Elend vorprogrammiert.

Die Städte und Gemeinden haben als erstes die durch die Trojka geforderten Sparmaßnahmen, die Gelder für Kastrationen der Straßen Hunde gestoppt, so dass die griechischen Tierschützer seit Jahren teilweise nichts anderes tun können, als die Kastrationen aus eigenen, privaten Mitteln zu bestreiten. Da die griechische Krise aber nicht nur die Tiere betrifft, sondern auch die Menschen, denen die Einkommen radikal gekürzt wurden und ihnen nicht einmal mehr das nötigste bleibt um sich selbst zu versorgen, bleiben auch die Gelder für die dringenden Kastrationen aus. 

Die griechischen Tierschützer geben alles um den Tieren auch weiterhin zu helfen, es gibt so unendlich viel Leid und Elend.

Immer wieder müssen sie mit ansehen, wenn trächtige Hündinnen neue Welpen zur Welt bringen. Welpen, die später wenn sie denn überleben, als weitere Straßen Hunde krank und ausgemergelt nach Futter suchen, angefahren zurück gelassen werden oder aber grausam an neuen Vergiftungsaktionen sterben.

Xanthi

Schätzungsweise 6000 Straßenhunde leben in der nordgriechischen Stadt Xanthi und in den umliegenden Dörfern. Seit April 2014 führt der Tierärztepool in Zusammenarbeit mit dem deutschen Verein "Griechische Fellnasen e.V." unter der Leitung von Sofia Becic und dem ortsansässigen Verein "Fox" Kastrationsaktionen durch. Das Einzigartige an diesem Projekt ist, dass auch nach unserer Abreise die ortsansässigen Tierärzte die Kastrationen fortführen. Allerdings ist unsere Hilfe bei der Masse an Tieren dringend notwendig. Der Bürgermeister und die Tierärzte des Veterinäramtes möchten eine Verbesserung der Lebensqualität der Straßentiere und sie haben erkannt, dass dies nur durch Kastrationen erreicht werden kann.

In dem sehr ansprechenden Film "Griechenlands Streuner" von Stefan Bröckling oder durch Einsatz-Berichte können Sie sich gerne genauer über dieses Projekt informieren.

 

Projektzeitraum: 2014

Population : ca. 6000 Straßenhunde
Schwerpunkt: Kastration von Straßentieren, Ausbildung lokaler Tierärzte, Projektevaluation

 

Einsatzdaten Mai/Juni

  • Projektdauer: 14 Tage
  • Hündinnen: 200
  • Rüden: 88
  • Katzen: 32
  • Kater: 10
  • andere Operationen: 30
  • Gesamt: 360
  • lokaler Partner: Griechische Fellnasen e.V., Fox

Es begann wie immer: "Bitte helfen Sie uns, wir sind verzweifelt. In der nordgriechischen Stadt Xanthi und der Umgebung leben schätzungsweise 6000 Straßenhunde, deren Zukunft mehr als ungewiss ist, wenn wir nicht so schnell wie möglich mit Kastrationen gegensteuern." Dies waren die Worte von Sofia Becic, der ersten Vorsitzenden des Vereines „griechische Fellnasen e.V.“ als sie Anfang des Jahres Kontakt zu uns aufnahm. Diese Anfrage war der Startschuss für unser gemeinsames Projekt. Ich antwortete ihr, dass wir eine Einladung des Bürgermeisters und die Zustimmung des Veterinäramtes für eine Kastrationsaktion brauchen. Mit diesen Grundvoraussetzungen können wir Spenden sammeln und die Planung des Projektes beginnen. Schneller als je zuvor lag die Unterschrift des Bürgermeisters auf meinem Schreibtisch und wir konnten mit allen Vorbereitungen beginnen.

150 kg Operationsequipment mussten bestellt und auf verschiedene anreisende Menschen verteilt werden. In unzähligen E-Mails und Gesprächen wurden wichtige Tagesabläufe besprochen, Informationsblätter für Helfer in verschiedenen Sprachen entworfen, um im Vorfeld alle Beteiligten mit dem Arbeitsablauf vertraut zu machen. Nur mit einem optimal abgestimmten Team können wir viele Kastrationen in kürzester Zeit absolvieren. Jede Hand ist ein wichtiger Teil des Projektes und trägt zum Erfolg bei. Selten habe ich einen Tierärztepooleinsatz miterlebt, für den sich so viele Menschen einsetzen. Es sind nicht nur die unermüdlichen Helfer an der Basis, die tagtäglich von früh bis nachts die Straßentiere einfangen und uns zur Kastration bringen. Helfer, die die Tiere nach der Operation betreuen und noch weitere drei Tage beaufsichtigen. Es sind die einheimischen Tierärzte, die uns in ihrer Praxis willkommen heißen und uns für die Operationen ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Es ist meine griechische Kollegin Antonia, die verantwortungsvoll die Narkose überwacht, die Vorbereitung und die Nachsorge übernimmt und ich mir keine bessere Teamkollegin hätte wünschen können. Es ist das komplette Team des Veterinäramtes, das mit unserer Unterstützung eine Verbesserung der Lebensqualität der Straßenhunde erreichen möchte. Und es ist der Bürgermeister, der sich nahezu väterlich tagtäglich meldet und uns Mitarbeiter zur Verfügung stellt.

Diese engagierten Menschen machen Xanthi zu einem einzigartigen griechischen Projekt mit Vorzeigecharakter! Die Autos werden mit Boxen ausgestattet und dann geht es los, um Hunde einzusammeln. Täglich werden uns Welpen gebracht, die die Tierschützer auf den Straßen von Xanthi finden. Kleine unschuldige Geschöpfe, die meist in einem sehr kritischen Zustand sind. Sie werden in eine Welt geboren, in der sie die meisten Menschen nicht haben wollen. Die Situation für diese Hundekinder wird brutal bleiben, solange wir nicht mit Kastrationen der Vielzahl an ungewollten Hunden entgegensteuern. Innerhalb kürzester Zeit waren die wenigen Pflegestellen vor Ort mit Welpen und pflegebedürftigen Hunden ausgelastet, die Kapazitäten erschöpft. Wir haben hier Tierschützer kennengelernt, die teilweise 40 Hunde bei sich aufgenommen haben. Es waren kranke Tiere und Welpen, die auf der Straße wenige Überlebenschancen gehabt hätten. Wir können das ein oder andere Tier mit nach Deutschland nehmen, aber das ist nicht die Lösung des Problems. Wir müssen es vor Ort lösen und der einzige nachhaltige Weg ist und bleibt die Kastration.

Der Blick in die Augen dieser kleinen unschuldigen Geschöpfe gibt uns Kraft, bis spät in die Nacht zu arbeiten. Wir könnten stolz auf unsere tägliche Arbeit sein. Aber wenn ich ehrlich bin, kehren nicht die Bilder wieder, die die schönen Momente widerspiegeln. Es ist der Welpe, der unterkühlt, ausgehungert und von Fliegenmaden übersät im Olivenhain gefunden wurde. Um dessen Leben wir kämpfen und doch kapitulieren müssen. Es ist der letzte Blick dieser kleinen unschuldigen Geschöpfe, bevor sie ihre Augen für immer schließen. Es ist die Frage nach der Gerechtigkeit und der Frage, wie man dies einem Hundekind antun kann. Vielleicht erklärt ihnen dieser Gedankengang auch, weshalb wir auch trächtige Tiere kastrieren. Es fällt niemandem von uns leicht, da können sie sich sicher sein. Macht man sich aber bewusst, dass eine Hündin durchschnittlich 10 Welpen jährlich zur Welt bringt, so haben wir mit dieser Aktion 2000 Hundewelpen verhindert. 2000 kleine Lebewesen, von denen 1/3 innerhalb der ersten Lebenswochen verhungert wäre, weil die ausgemergelten Hündinnen nicht genügend Milch zur Verfügung haben. Ein weiteres Drittel würde durch Menschenhand sterben und die Übrigen würden ein hartes Leben auf der Straße fristen und auch nicht viel älter als ein paar Jahre werden. Dieses Schicksal hat kein Lebewesen verdient. Wir müssen durch Kastrationen das Leid verringern, ansonsten wird dieser Kreislauf des Leidens nie durchbrochen.

Lotta und Lita wurden zur Kastrationsaktion gebracht und nie wieder abgeholt. Lotta und Lita waren in sehr schlechter Verfassung, ihre Haut war übersät mit Flöhen, Zecken und Milben. Nach der Kastration und Behandlung der Parasiten verbesserte sich ihr Zustand von Tag zu Tag. Nachdem die beiden neun Tage bei uns stationär aufgenommen wurden, durften sie n eine Pflegefamilie.

Kira wurde an einer stark befahrenen Straße gefunden. Antonia nahm sich ihr an, bevor Kira kastriert und ebenfalls in einer Pflegefamilie untergebracht wurde.

Fritz irrte auf einer Müllkippe umher, als er zufällig von einem Tierschützer entdeckt wurde. Sein trauriger Blick ließ ihn nicht mehr los und er beschloss, ihm eine Chance auf ein besseres Leben zu geben.

Bei diesem 14-tägigen Einsatz wurden 330 Kastrationen (200 Hündinnen, 88 Rüden, 32 Katzen und 10 Kater) und 30 Sonder-Operationen durchgeführt. Weltweit gibt es die unterschiedlichsten Tierschutzprojekte mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten und Grundvoraussetzungen. Kastrationen an sich sind immer nachhaltig, dies ist unumstritten. Noch wichtiger ist aber, dass es nicht bei einem einmaligen Einsatz bleibt und ein angefangenes Projekt fortgeführt wird, bis 85-90% der Tiere in diesem Gebiet kastriert sind. Die Grundvoraussetzungen hierfür könnten in Xanthi nicht besser sein: wir dürfen mit den ortsansässigen Tierärzten Sapfo und Jorgos zusammenarbeiten. Sie stellen uns während den Aktionen ihre Praxis zur Verfügung. Zwischen unseren Einsätzen kastrieren sie ebenfalls Straßenhunde mit der finanziellen Unterstützung des Bürgermeisters. In den zahlreichen Gesprächen mit dem Bürgermeister oder den Tierärzten des Veterinäramtes wurde deutlich, dass die Verantwortlichen der Stadt eine Veränderung der Lebensbedingungen der Straßentiere erreichen wollen. Diese Verantwortlichen organisierten die Hundefänger und stellten uns Fahrzeuge und ein Haus zur Verfügung, in dem die operierten Hunde überwacht und gefüttert werden können, bevor sie wieder an ihren Herkunftsort zurückgebracht werden.

Sofia Becic mit ihren vielen freiwilligen Helfer sowie der ortsansässige Verein „FOX“ haben uns gezeigt, dass sie für ihre Schützlinge eine sichere Zukunft durch ein friedliches Miteinander zwischen Mensch und Tier erreichen wollen. Deshalb ist es für uns von größter Bedeutung, diese enthusiastischen Menschen ; zu unterstützen und Xanthi zu einem weiteren Ort mit Tierschutz-Vorzeigecharakter werden zu lassen! Mit dieser Aktion haben wir den ersten Grundstein für eine nachhaltige Veränderung der Population der Straßenhunde in Xanthi gelegt. Sobald wir genügend Spenden gesammelt haben, wird die nächste Kastrationskampagne gestartet.

Dazu brauchen wir Ihre Hilfe, liebe Spender. Werden Sie Teil unseres Projektes! Helfen Sie uns zu Helfen!

Einsatzdaten November/Dezember 14

  • Projektdauer: 13 Tage
  • Hündinnen: 280
  • Rüden: 118
  • Katzen: 98
  • Kater: 40
  • andere Operationen: 65
  • Gesamt: 603

Am 6. Dezember 2014 endete die 2. große Kastrationsaktion in Xanthi mit 603 Operationen. Es wurden in 13 Tagen 280 Hündinnen, 118 Rüden, 98 Katzen, 40 Kater und insgesamt 65 andere Operationen durchgeführt. Dies sind durchschnittlich 46 Operationen, die täglich absolviert wurden. Zahlen, die schwer einzuschätzen sind. Zahlen, die wie ein Windstoß auftauchen und im gleichen Moment wieder aus dem Gedächtnis verschwinden. Zahlen, die keine großen Emotionen auslösen, sofern man sich nicht fortlaufend mit der Materie beschäftigt oder Teil des Projektes ist

Aber hinter jeder einzelnen Ziffer steht ein Geschöpf mit eigener Geschichte, eigenem Charakter und individuellem Charme. So taucht in meinen Gedanken beispielsweise der drei Wochen alte Welpe auf, dessen großer Nabelbruch umgehend operiert werden musste, da dies ansonsten eine Gefahr für sein Leben dargestellt hätte.

Neben den Zahlen sind es die unendlich vielen Geschichten um einzelne Tiere, die unsere Erinnerungen prägen. Fröhliche und traurige Geschichten, die die gesamte Palette an Emotionen in uns auslösen ließen. Momente der Euphorie, der Fassungslosigkeit, der Wut, der Verzweiflung, wozu die Spezies Mensch fähig ist...

Wir arbeiteten bei dieser Aktion von früh bis nachts an zwei Operationstischen, manchmal, wenn es der Praxisalltag erlaubte, sogar an einem weiteren dritten. Dann erklärten sich die ortsansässigen Tierärzte Sapfo oder Jorgo spontan bereit, ebenfalls einige der gebrachten Tiere zu operieren. Unsere Helferinnen Kathi und Nadine hatten alle Hände voll zu tun, wurden doch permanent ihre Namen an irgendeinem Ort in der Praxis gerufen.

Fast jeden Tag wurden uns zusätzlich zu den Kastrationen Straßenhunde zur Untersuchung vorgestellt. Man fand sie irgendwo am Straßenrand, bis irgendjemand Mitleid hatte und sie zur Untersuchung brachte. So kam die kleine Jagdhündin als Notfallpatientin zu uns. Ihrer Stellung der Hintergliedmaßen zufolge ahnten wir, dass sie eine schwerwiegende Verletzung ihrer Wirbelsäule erlitten haben musste. Sie blieb stationär und wir begannen auch umgehend, sie in unsere Herzen aufzunehmen. Die Röntgenaufnahmen brachten die harte Realität zum Vorschein: Schrotkugeln durchlöcherten ihren Körper und führten zu schwerwiegenden Verletzungen der Wirbelsäule. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob ihre Verletzungen ausheilen können. Ihre Finderin adoptierte sie umgehend und wird alles Menschenmögliche tun, um ihr ein lebenswertes Leben zu geben. Dass Hunde nach solchen Erlebnissen immer noch Vertrauen in Menschen haben können, lässt uns Tränen in die Augen steigen.

Den Höhepunkt an Brutalität erlebten wir, als uns Prometheas vorgestellt wurde. Übergossen mit Brandbeschleuniger und angezündet. Tagelang irrte er umher, bis ein Dorfbewohner seinen Qualen nicht mehr zusehen konnte und ihn in die Praxis brachte. Was kann er getan haben, um das zu verdienen? Vielleicht hat er um Futter gebettelt? Vielleicht ist er irgendeinem Kind nach Hause gefolgt? Vielleicht hat er gebellt? Vielleicht - vielleicht hat er gar nichts getan. Vielleicht war der einzige Grund, dass er existiert. Am falschen Ort, zur falschen Zeit. Mittlerweile wissen wir, dass die meisten seiner körperlichen Wunden heilen werden. Ob seine Seelischen je versiegen werden, wissen wir nicht.

Selten verließen wir die Praxis vor 23 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich kaum jemand mehr freiwillig auf den Straßen auf, denn der Wind wehte eisig durch die Gassen und nicht selten peitschte der kalte Regen nieder, während wir müde den Weg zu unserer Unterkunft ansteuerten. Die harte Winterzeit hat auch für die Straßentiere der nordgriechischen Stadt begonnen. Wir zogen unsere Jacken tief ins Gesicht, doch keiner der Straßenhunde, die uns begegneten, wurde übersehen. Sie schliefen auf Schuhabstreifern, auf einem Stück Karton - sie suchten die vermeintliche Wärme, die ihnen durch diese Gegenstände gegeben wurde. Mich schockierte zusätzlich, dass viele Hündinnen trotz eisiger Bedingungen Welpen zur Welt bringen. Die Natur scheint einen schonungslosen Kampf zu beginnen, ungeachtet dessen, welche tragischen Konsequenzen dies für diese kleinen Geschöpfe bedeutet. Allein in diesen zwei Wochen wurden insgesamt über 80 Welpen von der Straße zu uns gebracht. Es lässt uns nur wage vermuten, wie tausende von ihnen keine Chance auf ein Überleben haben.

Oft werden wir gefragt, ob es für uns gefährlich ist, Straßenhunde einzufangen und sie dann für die Narkose vorzubereiten. Eine durchaus berechtigte Frage, die ich mir vor meinem allerersten Einsatz auch gestellt habe. Doch trotz sicherlich nicht immer guter Erfahrungen sind mehr als 80% der Straßenhunde sehr lieb und sie vertrauen einer ruhigen Stimme innerhalb weniger Augenblicke. Nicht selten wackeln Hunde, die gerade frisch operiert sind und aus der Narkose erwachen, wieder zu uns in die OP-Vorbereitung, da sie dort ein paar Streicheleinheiten und warme Worte erfahren konnten. Eine ganz rührende Geschichte erfuhren wir, als wir uns über einen Hund wunderten, der ohne Leine auf der Treppe zu unserem OP stand und uns beobachtete. Wir erfuhren, dass dieser Hund "Jack" hieß und vor ein paar Monaten in der Praxis kastriert wurde. Er wurde nach der Kastration mehrmals an seinen Fundort zurückgebracht, wie es mit allen Straßenhunden so üblich ist. Jack aber merkte sich den Weg und kam jeden Tag erneut zur Praxis, um "Guten Tag" zu sagen und um sich etwas Futter ein zu heimsen. Während der Kastrationsaktion realisierte er, dass es an diesem Ort auf einmal sehr viele Menschen mit Liebe zu Hunden gab und er entschied sich, in der Praxis einzuziehen. Er suchte sich eine ruhige Ecke und schlief dort stundenlang. Immer wieder stand er auf und kam in den OP um nach dem Rechten zu sehen.

"Großvater" war einer von drei 14jährigen Straßenhunden, die seit vielen Jahren als Dreiergespann durch die Innenstadt von Xanthi zogen. Jeder kannte sie, wie sie mit ihren Seniorengesichtern durch die Straßen wackelten. Auch wir begegneten ihnen und mussten schmunzeln. Doch "Großvater" machte der Kälteeinbruch zu schaffen - man fand ihn eines Tages geschwächt auf der Straße auf. Der Krisenrat beschloss, dass er die letzten Tage seines Lebens in Wärme und Geborgenheit auf einer kuscheligen Decke in der Praxis verbringen sollte. Wir hatten ihn einige Tage bei uns und Alexia, eine griechische Helferin, umsorgte ihn liebevoll. Ich frage mich, wie viele gute und schlechte Erlebnisse "Großvater" und seine zwei Freunde in ihrem Hundeleben wohl schon wiederfahren sind. Wie viel Leid sie beobachten mussten, wenn ihre Freunde Giftköder fraßen und jämmerlich daran starben. Oder sie an Krankheiten litten, ohne dass sich jemand ihrer angenommen hatte. Wie viel Intelligenz und Wahrnehmung gestehen wir unseren Hunden zu? Sah Großvater, dass wir hunderten seiner Freunde und Verwandten halfen und wir ihnen eine bessere, sichere Zukunft geben wollten? Wir wissen es nicht. Er schloss während des letzten Operationspatienten für immer seine Augen - wie ein Schutzengel, dessen Dienste nicht mehr gebraucht wurden.

Doch gerade diese traurigen Momente geben Kraft, um weiterzumachen. Neben der Trauer ist gleichzeitig die Freude, dass es Straßentiere gibt, die 14 Jahre alt werden. Dass es Menschen gibt, die für diese Tiere ihre Kraft und ihre Liebe geben. Die eine Zukunft für ihre Straßentiere haben möchten.

Das Xanthi-Projekt fasziniert mich persönlich aus den verschiedensten Gründen. Dieses Mal bereits schon bevor wir überhaupt das erste Tier operierten. Insgesamt 10 Menschen reisten für diese Kastrationskampagne von Deutschland nach Griechenland, um hier gemeinsam mit den Helfern vor Ort ein Projekt fortzuführen, das bisher in Griechenland eine einmalige Struktur vorzuweisen hat:

Alle Tiere werden jeden Tag aufs Neue auf den Straßen eingefangen.

Viele junge Griechen helfen mit beim Einfangen, organisieren, betreuen .- sie haben vom Kastrationsprojekt gehört und unterstützen uns tagelang, teilweise sogar die komplette Aktion

Auch der neue Bürgermeister der Stadt unterstützt die Kastrationen

Das komplette Veterinäramt steht hinter uns und besucht uns regelmäßig mit der Frage, ob alles in Ordnung ist

Die ortsansässigen Tierärzte Sapfo und Jorgo stellen uns auch dieses Mal für 13 Tage ihre Praxis zur Verfügung. 13 Tage Ausnahmezustand und Ausreizen aller Kapazitäten: jeder Zentimeter der Praxis wird mit Boxen bepflastert. An vielen Tagen reicht der Platz in den Räumen nicht aus, so dass auch Käfige auf den Bürgersteigen abgestellt werden mussten.

Antonia, meine liebe griechische Kollegin und die vielen deutsch sprechenden Griechen vor Ort sind wie eine Brücke zwischen die Nationalitäten und verkörpern eine Verbundenheit zwischen den Menschen, die alle das gleiche Ziel verfolgen.

Zwischen der Kastrationskampagne im April 2014 und der jetzigen kastrierten die beiden ortsansässigen Tierärzte insgesamt 380 Hündinnen. Somit wurden in Xanthi im Jahr 2014 1.248 Kastrationen durchgeführt, davon waren allein 860 Hündinnen. Macht man sich bewusst, dass eine Hündin durchschnittlich 10 Welpen jährlich zur Welt bringt, so wurden in einem Jahr 8600 Hundewelpen verhindert. 8600 kleine Lebewesen, von denen 1/3 innerhalb der ersten Lebenswochen verhungert wäre, weil die ausgemergelten Hündinnen nicht genügend Milch zur Verfügung gehabt hätten. Ein weiteres Drittel würde durch Menschenhand sterben und die Übrigen würden ein hartes Leben auf der Straße fristen. Dieses Schicksal hat kein Lebewesen verdient. Wir müssen durch Kastrationen das Leid verringern, ansonsten wird dieser Kreislauf des Leidens nie aufhören. Nicht in Xanthi - nicht irgendwo anders auf der Welt. Wir haben eine Verantwortung für unsere Mitgeschöpfe, die wir wahrnehmen müssen. Gestern - heute - und in Zukunft!

Der Tierschutzverein "griechische Fellnasen e.V." unter der Leitung von Sofia Becic hat das Kastrationsprojekt ins Leben gerufen und finanziert. Mit der großzügigen finanziellen Unterstützung von "Tierinsel - Umut Evi.e.V." war es möglich, noch mehr Tieren zu einem besseren Leben zu verhelfen. Vielen Dank an Euch und alle anderen Spender, die dieses Projekt ermöglicht haben.

Weitere Berichte können Sie auf den Homepage- und Facebookseiten von "griechische Fellnasen e.V."und "Tierinsel - Umut Evi.e.V." nachlesen.